Gastbeitrag: 3 ½ Tipps, wie du an einem fremden Ort ankommst und neue Menschen kennenlernst
Dies ist ein Gastbeitrag von Sabrina Steiner, August 2022
Aller Anfang ist schwer, oder? Mich fordert es auf jeden Fall immer an neuen Orten und ich empfinde es als intensiv, den Kontakt zu unbekannten Menschen zu suchen. Denn ja, es ist tief in uns verankert, wir Menschen sind einfach Herdentiere. Eine Tatsache, die regelmässig beschäftigt, und zwar ganz schön nachhaltig. Obwohl sich bei mir ab und an der Wunsch nach einem Eremitenleben im einsamen Zuhause einschleicht, – Bündner Bergwelt ich komme! – begegne ich auch dem Wunsch, an neuen Orten Freunde zu finden.
Nach zwanzig Mal umziehen hörte ich irgendwann auf, die Stationen mitzuzählen und kann Umzüge und Neuanfänge inzwischen aus dem “effeff”. Gefühlt schüttle ich diese galant aus dem Ärmel, dennoch fallen mir die Aspekte mit Menschen immer wieder schwer, besonders wenn ich wo ganz frisch ankomme. Selbst wenn ich das Nomadentum anders gestalte, als es in den Medien gerne dargestellt wird, bringt die Entscheidung bezüglich meines Lebensstils nun mal neue Orte mit sich. Veränderung durch Bewegung und irgendwie auch Sinn der ganzen Sache. Aktuell bezeichne ich mich sogar eher als digitale Siedlerin, denn stetig Reisende. Denn irgendwie kam es zum glücklichen Zufall, dass ich Anfang 2022 einen Mietvertrag für das Minimum eines ganzen Jahres unterschrieb und im Frühling, trotz dezenter Angstattacken bezüglich dieser Verbindlichkeit und nach überstandener Covid-Erkrankung, ziemlich erwartungsfrei nach Aarau zog.
Bepackt mit einem Stuhl und drei Kisten fand ich mich also plötzlich an einem Ort wieder, der mich nach Plan längerfristig beherbergen sollte.
Über meine Erfahrungen mit Minimalismus durfte ich übrigens hier schreiben.
Doch wie nun Anschluss finden?
Einige meiner Freunde und Familienmitglieder leben statischer und zusätzlich entschied ich mich auf meiner Reise durch die Persönlichkeitsentwicklung dazu, mir die Themen hinter meinem Nomadenleben anzuschauen. Im Zuge dessen erlebe ich zwar meinen Alltag noch bewusster und verzichte unter anderem aktuell auf Flüge, andererseits schliesst das auch einige Hotspots von Nomaden aus, an denen sich meine Freunde aufhalten. So stand ich also zwecks lebendiger Alltagsgestaltung schon so manches Mal vor der Herausforderung neue Kontakte zu knüpfen und Orte alleine zu erkunden.
So war ich fast überzeugt davon, dies auch in Aarau zu schaffen, wo ich beim Einzug keinen Menschen kannte. Gut, meine Mitbewohnerin habe ich vor dem Entschluss der Gründung eines gemeinsamen Haushaltes bereits einmal getroffen. Ansonsten war jedoch Ebbe vor Ort und da ich gerade meine Selbständigkeit frisch positionierte, fehlten mir auch oft schlicht die finanziellen Mittel, um zu Freunden in anderen Teilen der Schweiz zu reisen.
In Städten, bei denen mir zu Beginn klar ist, dass ich nur kurz bleibe, fällt es mir spannenderweise tendenziell leichter, Anschluss vor Ort zu finden. In Aarau war das ja aber anders und so fiel es mir anfangs echt schwer. So fühlte ich mich exotisch und traute mich daher kaum, richtig anzukommen und bewusst zu integrieren. Was mir half, war der Umstand, von meinem neuen Wohnort so begeistert zu sein und unbedingt Teil davon werden zu wollen. So gestand ich mir nach einigen Wochen fast kompletter Isolation schlussendlich ein, mich einsam zu fühlen und daran etwas ändern zu wollen.
1. Netzwerken für Menschen mit gleichen Interessen beitreten
Nach einem zeitlich dezent ausgeuferten Sonntags-Brunch mit den Mitgliedern der “Digitalen Nomaden Schweiz”, einem Verein, dem ich bereits während meiner Zeit in Deutschland beitrat, fand ich neuen Mut, mich wieder neu einzulassen und schöpfte Hoffnung, auch hier Menschen zum Austausch finden zu können.
So tat ich, was Menschen meiner Generation üblicherweise tun, wenn sie eine Frage beschäftigt: Eine Suchmaschinen meiner Wahl bemühen. Betraut mit der Aufgabe, mir Lösungen für die Herausforderung “neue Menschen in Aarau kennenlernen” vorzuschlagen, brachte mich diese bald auf eine Vernetzungsplattform. Irgendwann überwand ich mich und erstellte dort tatsächlich ein Profil. Obwohl da ehrlich gesagt nicht viel los war, lernte ich ziemlich schnell zwei Menschen kennen. Mit einem von ihnen führte ich ein schönes Telefongespräch, mit dem anderen traf ich mich und wir verstanden uns auf Anhieb blendend. Der erste Schritt war also getan, so durfte es gerne weitergehen.
Wer das Thema teilt, kommt schnell ins Gespräch.
Die gleichen Interessen sind ein guter Anfang für neue Freundschaften. Eine Bekannte in Hamburg nutzt dazu meetup-Gruppen und trifft sich bevorzugt zu Spieleabenden. Mich begeisterte das ehrlich gesagt nie so wirklich und mit Ausnahme von wahren “Mensch-ärgere-dich-nicht-Orgien” im Lockdown verbringe ich wenig Zeit mit Gesellschaftsspielen. Darum durfte ich andere Wege suchen und finden. Meine Erfahrung zeigte, dass es nebst Tätigkeiten auch Orte für Gleichgesinnte gibt. Die ersten Schritte an einem neuen Ort erlebte ich in einem CoLiving auf Gran Canaria. Dort ist es ein Leichtes neuen Anschluss zu finden, denn unter anderem auch durch die lange Strandpromenade trifft man meistens jemanden für gute Gespräche, tolles Essen und gemeinsame kulturelle Erlebnisse. Im Laufe meiner nomadischen Zeit trat ich dann dem Citizen Circle bei, einer Community ortsunabhängiger Unternehmer. Dort fand ich ebenfalls leicht den Kontakt zu Menschen mit ähnlichen Lebensthemen und Werten. Auch die inkludierten Möglichkeiten für den Zugang zu diversen CoWorkings halfen sehr, um sogar bei kurzen Aufenthalten richtig anzukommen.
2. Bestehende Social Media Kontakte näher kennenlernen
Mit der Pandemie stand ich vor neuen Herausforderungen, denn einige meiner geliebten Tätigkeiten – wie etwa in einem belebten Café oder CoWorking zu schreiben – waren plötzlich unmöglich. Zu dieser Zeit nutzte ich noch so manchen Social Media-Kanal und war durch meinen damaligen Blog dort mit vielen Menschen aus der ganzen Welt vernetzt. An einem innerlich besonders düsteren Tag suchte ich in meinem Netzwerk nach Menschen aus meinem Netzwerk, die sich am gleichen Ort befinden wie ich gerade. Übrig blieben tatsächlich zwei Menschen, die ich direkt für einen Spaziergang anfragte. Mit beiden war es “Liebe auf den ersten Blick” und uns verbindet bis heute eine enge Freundschaft, obwohl ich schon längst weitergezogen bin.
Alles ist eins
Da ich in meinem Leben keine klare Linie zwischen beruflicher und privater Zeit ziehe, darf ich bis heute so manche wertvolle gemeinsame Erinnerung mit lieben Menschen teilen. So entstanden mit Personen auf meinem Lebensweg schon einige kreative Projekte , eben auch mit oben erwähnten Spaziergangskontakten. So etwa zwei Bücher, die ich herausbringen durfte: “fertig. Das Leben ist tödlich – darüber reden nicht”, sowie “Das Los des Lassens”.
3. Orte der Co-Kreation besuchen
Wo etwas ist, da gibt es in der Regel mehr von und so erinnerte ich mich, dass CoWorkings für mich immer schon gut funktionierten, um mein Netzwerk zu erweitern, kreative Ideen zu generieren und fokussiert zu arbeiten. Eine klassische win-win-win Situation also. Bereits früher war ich in Aarau in einem CoWorking eingemietet, welches leider wirtschaftlich der Pandemie zum Opfer fiel und in dem ich aus dem Grund Lockdown auch nie wirklich Anschluss fand. Nun galt es also, loszulassen und weiterzuziehen. Glücklicherweise fand ich schnell auf einen tollen Ort, der eine prima Alternative bot.
Ein Highlight von Aarau ist die schöne Altstadt, gepaart mit Fussgängerfreundlichkeit. Durch diese zwei Faktoren war mein Weg zum Kennenlerntag in die Büroräumlichkeiten der Altstadthelden ein echtes Heimspiel. Die netten Menschen von Storyflow haben ihre schönen Büroräume zum CoWorking umgewandelt und zu einem Ort gestaltet, der viel mehr ist, als ein Platz zum arbeiten. Wie bei CoWorkings üblich, zeichnet sich auch dieses hauptsächlich durch die Community aus, in der ich mich direkt sehr wohl fühlte. Nette, schlaue, junge Menschen, die kreativ und unternehmerisch tätig sind, das liess mein Künstlerherz sofort höher schlagen. Als Mensch, der Geschichten liebt und Philosophie atmet, bin ich sehr dankbar, direkt bei meiner Ankunft an der Kettenbrücke den lieben Roger aka Alex kennengelernt zu haben. Während seiner freundlichen Wegweisung zum Eingang des Coworkings fanden wir schnell einige Parallelen und so sass er bereits eine Woche später zum gemeinsamen Brainstorming an meinem Mittagstisch. Der Mann mit dem Pseudonym begeistert mit guten Filmen und persönlichen Geschichten. Auf seinem Blog stellt er Menschen persönliche Fragen. Dazu, wer sie wirklich sind, wonach sie streben und was das Leben ausmacht. Ermutigend, bedrückend, wertfrei schenkt er Blicke hinter die Kulissen der Gesellschaft.
Einmal ist keinmal, von daher werde ich dem Ganzen wohl nachhaltiges Potenzial verleihen und künftig hoffentlich häufiger bei den Altstadthelden anzutreffen sein. Vielleicht trinken wir ja mal einen Kaffee vor Ort? Das wäre toll.
3 ½. Menschen im Alltag ansprechen
Dort wo ich lebe, ein Teil der Gemeinschaft zu sein, das liebe ich sehr. Darum besuche ich regelmässig die gleichen lokalen Dienstleister und freue mich auf bekannte Gesichter, ein nettes Hallo, kleine Gesten der Freundlichkeit und des Miteinanders. Ich mag Nachbarn und lade sie zum wichtigen mittäglichen Espresso ein, indem ich damit bei ihnen klingle. Statt zu eilen, bleibe ich kurz zum Winken stehen, wenn ich beim Laden unterhalb meiner Wohnung vorbei spaziere. Bevor ich meine aktiven Experimente zum Finden neuer Kontakte wagte, tat ich Dinge, die mich zuvor ängstigten. Spontan besuchte ich alleine Openairkonzerte und tanzte mit einem Getränk in der Hand an schönen Sommerabenden am Wasser. Mit fremden Menschen führte ich im Lebensmittelgeschäft zufällige und doch tiefgründige Gespräche über den Arbeitsalltag. Liess mich auf Parkbänken zu Gesprächen hinreissen und lernte dabei Menschen kennen, mit denen auch berufliche Überschneidungen möglich sind.
Mein Fazit überrascht mich selbst: Die Schweiz und Aarau sind absolut ideal für Nomaden wie mich. Wenn du dich davon überzeugen willst, dann kontaktiere mich gerne für den Einblick in den Alltag einer Autorin und eine persönliche Stadtführung durch Aarau.
Sei präsent, bleib präsent.
Viel Pink und alles Liebe für dein Lama
Sabrina



