So wird Remote Work in Firmen erfolgreich eingeführt

IMG_20170312_142521367Das Argument, dass man gegenüber Remote Work grundsätzlich offen sei, aber noch unsicher, ob es wirklich zur aktuellen Firmenkultur passt, höre ich oft.

Das Risiko sei einfach zu gross, die Kontrolle über die Mitarbeitenden zu verlieren.

Remote Work statt Sabbatical

Ein einfacher Einstieg ins ortsunabhängige Arbeiten gelingt damit, dass man als Firma seinen Mitarbeitenden temporär die Chance gibt, statt einem Sabbatical einen Remote Work Aufenthalt auf Zeit zu machen. Das funktioniert etwa dann am besten, wenn die Person ihren Lebensmittelpunkt für ein paar Monate ins Ausland verlegt und von dort aus arbeitet. Wo es sich für Digitale Nomaden besonders gut arbeiten lässt, zeigt nomadlist.io sehr gut auf.

Die Erfahrungen, die damit gemacht werden, zeigen dann rasch, wie sich diese Remotesituation aufs Team auswirkt. Gerade für junge Mitarbeitende kann diese Massnahme dazu führen, dass jemand länger auf einer Stelle bleibt und ein Knowhow Verlust in der Firma verhindert werden kann.

t3n-Redakteurin Melanie Petersen hat ihre Arbeit einen Monat lang aus Barcelona gemacht und ihren festen Büroplatz aufgegeben. Erfahrungsbericht.

Auch HQ, eine Agentursoftware aus Hamburg, experimentiert mit festangestellten Digitalen Nomaden. Erfahrungsbericht.

Ganze 9 Angestellte hat die Österreicher Digitalagentur Towa ins Coworking-Camp „KoHub – Tropical Working“ auf der thailändischen Insel Ko Lanta geschickt. Erfahrungsbericht.

Vertrauen statt Präsenzpflicht

HR-Verantwortliche argumentieren, dass sie lieber keine Remote Verträge abschliessen möchten, weil sie damit die Kontrolle über ihre Mitarbeitenden verlieren. Die Person sei ja dann nicht mehr vor Ort tätig und man könne nicht feststellen, ob sie ihre Arbeit auch wirklich macht.

Leider wird heute die reine Präsenz am Arbeitsplatz noch immer mit Arbeiten gleichgesetzt. Dass jemand der zwar in der Firma anwesend ist, trotzdem sehr unproduktiv sein kann, wird dabei gerne übersehen.

Für Personalchefs geht es also auch in der Remote Rekrutierung darum, die Mitarbeitenden zu selektionieren, welche sich für die Erledigung einer Arbeit besonders gut eignen, unabhängig ob sie vor Ort sind oder remote arbeiten. Experimentieren ist besser als Nichtstun.

In meinen Coachings betone ich immer wieder, dass es als Firma wichtig ist, einfach mal zu starten und erste Erfahrungen zu sammeln. Sei dies mit einem Teammitglied, das temporär vom Ausland aus arbeitet oder im Homeoffice sitzt, spielt dabei keine Rolle.

Wichtig ist, dass man ein Gefühl bekommt, wie sich die Kommunikation virtuell verändert und wie sich die Remote Situation auf die Effizienz, Qualität und Motivation auswirkt.

Unter den KMUs gibt es immer noch sehr viele Digitale Dinosaurier

Die Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ) hat in Kooperation mit localsearch.ch die Studie „Digital Switzerland“ durchgeführt.

Um die Digitalisierung umzusetzen, fehlen den Firmen laut der Umfrage unter anderem die nötige Veränderungskultur und die finanziellen Mittel. Quelle.

Gerade bezüglich der fehlenden Veränderungskultur kann man mit den oben vorgeschlagenen Methoden mit kleinem Aufwand viel erreichen. Wenn die Mitarbeitenden durch Remote Work selber eine aktive Rolle in der Digitaliserung des Unternehmens wahrnehmen, werden sie schneller lernen, wie auch Kundenbeziehungen digitalisiert werden können.

Die technische Ausstattung dazu muss ausserdem nicht teuer sein. Videokonferenzen lassen sich sehr gut mit appear.in realisieren, eine professionelle Gruppenchatlösung steht mit slack.com zur Verfügung und zur Organisation einer virtuellen To-Do List reicht das kostenlose trello.com.

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