Von der Sparbüchse zum Leben auf Kredit

Inflation

Videoinstallation „Ameisen fressen 1000er-Noten“ zum Thema Inflation.

Die Ausstellung „Schwein gehabt. Von der Sparbüchse zum Leben auf Kredit“ in der Vögele-Stiftung in Pfäffikon SZ zeigt momentan eine spannende Ausstellung über den Verfall des Sparens. War es früher eine regelrechte Volkssportart zu sparen um Geld zu horten oder für eine bestimmte Investition auszugeben, so droht das Sparen in der Schweiz langsam dem schnellen Konsum zu weichen. Schulden häufen sich und die Ämter haben viel mit den Folgen unserer Konsumsucht zu kämpfen. Jetzt weiss ich auch woher der Begriff „auf den Hund gekommen“ stammt. In den Familien hat man früher den Geldschatz immer in einer grossen Holztruhe aufbewahrt auf dessen Grund jeweils ein Hund als Wächter des Vermögens gemalt oder geschnitzt war. Konnte man diesen Hund nach grossen Geldausgaben plötzlich sehen, war das für das Haushaltsbudget ein sehr schlechtes Zeichen.
Das Gespräch mit der Kuratorin war sehr interessant. Wir haben uns über alternative Geldwerte unterhalten. Aktuelle Entwicklungen wie die Sharing Economy sind deutliche Zeichen für eine Abkehr von den traditionellen Geldwerten in der Generation Y. Für Digitale Nomaden ist das Geld meistens nicht in erster Linie die Triebfeder zu ihrem Schaffen. Viel wichtiger ist Ihnen der neue Reichtum: Die Zeit. Wer seine Zeit bewusst einsetzt und den Moment lebt, hat viel mehr davon als das ganze Leben angestrengt materielle Schätze zu hüten.
Eine Installation in der Ausstellung hat mich besonders fasziniert: Zu sehen sind papierfressende Ameisen von Ursula Palla (1961, Chur), die gerade daran sind, sich an 1000er-Noten gütlich zu tun. Die Inflation des Geldes könnte nicht besser visualisiert werden.
Da Digitale Nomaden oft sehr einfach zu leben pflegen und dem grenzenlosen Konsum nur wenig abgewinnen können, ist die Auseinandersetzung mit alternativen Formen von Werten sehr interessant. Wir sind zwar sehr daran interessiert, gute Businessideen zum ortsunabhängigen Arbeiten umzusetzen und suchen immer wieder Formen „Passives Einkommen“ zu generieren, die Motivation ist aber nicht in erster Linie das Geld sondern das Bestreben, dem 9to5-Hamsterrad zu entkommen.
Zufall oder nicht, beim Verlassen des Museums hat mich die Kuratorin auf die aktuellen Tagesnews aufmerksam gemacht: Die Notenbank hat heute die Stützung des Euromindestkurses aufgehoben. Anscheinend sind dabei Milliarden vernichtet worden. Das können auch ganz besonders gefrässige Ameisen so schnell nicht anrichten.
Nach der Ausstellung bin ich durch das schöne Naturschutzgebiet Frauenwinkel gewandert um mich im Seedam Plaza bei Kaffee meinem Leben als Digitalen Gelegenheitsnomaden zu widmen.

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