Scheitern gehört dazu: 55-70% aller Startups crashen

Voegele Kultur Zentrum. Ausstellung zum Thema "Scheitern"

Vögele Kultur Zentrum. Ausstellung zum Thema „Scheitern“

Die aktuelle Ausstellung zum Thema Scheitern im Vögele-Kulturzentrum in Pfäffikon (SZ) ist für Digitale Nomaden sehr zu empfehlen (bis 26.3.2017). Wenn man bedenkt, dass 55 – 70% aller Startups Schiffbruch erleiden, kann man davon ausgehen, dass darunter auch viele Digitale Nomaden zu finden sind. Der Hauptgrund für den Misserfolg kommt daher, dass oft am Markt vorbei produziert wird.

Scheitern ist ein Tabu

Scheitern ist in unserer Kultur ein grosses Tabuthema. Die Gesellschaft ist auf Erfolg und Bestleistung getrimmt. Was passiert aber eigentlich mit den auf den hinteren Rängen platzierten? Grosses Schweigen.

Wer scheitert, kann daraus im besten Fall etwas lernen. Resilienz und Frustrationstoleranz werden uns zwar zum Teil als Erbanlage schon mitgegeben, können aber auch später noch weitertrainiert werden.

Ohne Scheitern gäbe es keine Post-It Zettel und keine Coca Cola

Viele Produkte würde es ohne Fehler heute aber gar nicht geben. So sind die Post-It Zettel nur ein Abfallprodukt eines Leimes der Firma 3M, der für seinen ursprünglichen Zweck völlig versagt hat. Auch Coca Cola, das zuerst als Kopfschmerzmittel geplant war, hat als Kultgetränk eine total andere Richtung eingeschlagen.

12’000 Kickstart Projekte ohne einen einzigen Dollar Förderung

Unter www.kickended.com kann man mehr als 12’000 Kickstart Crowdfunding Kampagnen betrachten, die während ihrer Laufzeit keinen einzigen Dollar generiert haben. Oder die Website www.errors-in-production.info zeigt Produkte, welche mit offensichtlichen Fehlern vom Band liefen.

Kinder und Jugendliche für ihren Einsatz loben

Man kann Kinder und Jugendliche in ihrer Widerstandsfähigkeit unterstützen, indem man sie für ihren Einsatz und Fleiss und nicht ausschliesslich für ihre Intelligenz lobt. Die Forschung zeigt, dass sich beim Intelligenzlob oft eine Sicherheitsstrategie entwickelt, die dazu führt, dass nur noch leichtere Aufgaben zum Lösen gewählt werden.

Tipps zum Aufbau von mehr Resilienz (psychische Widerstandsfähigkeit)

Quelle: Leporello zur Ausstellung „Ein Knacks im Leben“ (Vögele Kultur Zentrum)

  • Krisen und Gescheitertsein akzeptieren und nicht als unüberwindliche Probleme betrachten.
  • Familie, Freunde, Kollegen und Bekannte nicht aus den Augen verlieren: an sozialen Kontakten anknüpfen, diese erhalten oder aufbauen.
  • Die eigenen Fähigkeiten bewusst in den Blick nehmen, Vertrauen in diese setzen und lösungsorientiert weiter handeln.
  • Eine passive Opferrolle verweigern, aktiv werden und nicht zu lange grübeln.
  • Unrealistische Ansprüche erkennen und sich realistische Ziele setzen.
  • Sich nach vorne ausrichten: eine Langzeitperspektive einnehmen und zukunftsorientiert denken.
  • Sich fürsorglich um sich selbst kümmern, Eigenverantwortlichkeit aktivieren.

Mindestens 10’000 Stunden Übung bis man etwas beherrscht

Es braucht mindestens 10’000 Stunden Übung, bis man zum Beispiel eine Sportart meisterlich beherrscht. Na also, dann übe ich mal schön weiter in meiner Lieblings-Disziplin „Digitales Nomadentum“. Diese Zeilen tippe dazu einmal mehr mit nur zwei Daumen in meine Evernote-App auf der Rückfahrt im überfüllten Zug von Zürich nach Thun.

Medizin und Flugüberwachung lernen aus Fehlern

Rückschläge gehören dazu, machen uns aber in der Regel nur stärker. Die Schweiz kann sich von den USA, wo das Scheitern und erneute Aufstehen schon fast frenetisch gefeiert wird, in Zukunft noch einiges abschauen. Der Weg zu einer fehlerfreundlicheren Gesellschaft ist noch weit, allerdings machen Medizin und Flugüberwachung momentan hierzulande grosse Fortschritte im Umgang mit Fehlern.

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