Gönn dir Zeit – Concediti il tempo

Gönn dir Zeit im Restaurant Strabiglia in Domodossola

Gönn dir Zeit im Restaurant Strabiglia in Domodossola

Das erste was mir im Restaurant Strabiglia in Domodossola auffällt, ist die grosse, weiss leuchtende Lampe über der typischen Kolben-Kaffeemaschine. Dort steht in grossen Lettern geschrieben: Concediti il tempo, was übersetzt so viel bedeutet wie „Gönn dir Zeit“. Auch in Italien musste ich wieder die Erfahrung machen, dass Internet im Restaurant noch lange nicht zum Standard gehört. Es hat in der Tat wieder ziemlich lange gedauert, bis ich endlich da gelandet bin, wo ich nun diesen Artikel schreiben kann. Mit meinen nicht vorhandenen Italienischkenntnissen versuchte ich es vorher in drei Bars erfolglos. Internet? No! Ich hab mir viel Zeit gegönnt, bis ich endlich Internet gefunden habe.
Doch auch im Strabiglia wollte man zu Beginn von Internet gar nichts wissen. Der Patron erbarmte sich dann aber meiner und gab mir freundlicherweise den Code zum privaten WLAN des Restaurants. Dafür sitze ich nun bereits zum zweiten Mal innerhalb einer Woche in seinem Restaurant und mache, was da gross über der Kaffeemaschine prangert: Ich gönn mir Zeit bei einem Varesina Caffe.
Das Mittagsmenu gibts für 10 Euro inklusive Getränk und Dessert. Der Koch kommt persönlich und erkundigt sich, ob das Essen auch wirklich geschmeckt hat. Und wie es schmeckt. Heute gab es Sparerips in Honigsauce mit Gemüse und vor einer Woche, Rindsfillet rosa mit frischem Salat im Fünfsternestil.
Die Frage ist im Moment natürlich in aller Munde. Soll man wirklich ins nahe Ausland reisen und hier die günstigen Euros ausgeben? Ja, das habe ich schon immer gemacht und werde es auch weiter machen. Aber nicht primär, um Geld zu sparen (obschon man das tatsächlich gut könnte, vor allem wenn Domodossola momentan noch grad den allerletzten Winterausverkauf mit 70% raushängt…). Auch hier sind es bei mir wieder ganz andere Beweggründe. Die kläglichen Versuche mit meinem aus der Kindheit stammenden Ferien-Italienisch, gepaart mit allerhand Spanischausdrücken, lässt mich hier das Kommunizieren in einer Fremdsprache üben und ich habe für ein paar Stunden das Gefühl von „Bella Italia“ und „Dolce far niente“. Dazu lernt man auch wieder an alles zu denken, was man als Digitaler Nomade unbedingt beachten muss: Gibt es Internet? Ist es schnell genug? Wo gibt es Strom? Passt der Adapter? Kann ich mich auch zu italienischem Schlager und lauten Kellnern genügend auf den Text konzentrieren? Lo adoro!

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