Erkenntnisse

Voraussetzung: Unternehmerisches Denken, Pragmatismus und autodidaktische Weiterbildung

Digitale Nomaden zeichnen sich aus durch unternehmerisches Denken, Pragmatismus und autodidaktische Weiterbildung. Es wird experimentiert, man ist offen für Neues. Allerdings sind die Prognosen von Tim Ferriss, der mit seinem Bestseller ‚Die 4-Stunden Woche‘ eine Anleitung zu diesem neuen Lebensstil verfasst hat, in der Realität etwas anders gelagert.

Keine Einnahmensteigerung

Der Zuwachs an ‚Zeit, Geld und Leben‘ kann mit den Aussagen der sechs befragten Digitalen Nomaden nur teilweise bestätigt werden. Niemand kann mit dem Nomadentum seine finanziellen Einnahmen im Vergleich zu vorher steigern, im Gegenteil, die meisten verdienen heute sogar weniger. Doch das ist auch gar nicht das primäre Ziel.

Auslöser: Weg vom 'nine to five' Büroalltag

Der Auslöser zum Digitalen Nomaden zu werden liegt darin, nicht länger ein normales nineto- five Büroleben führen zu wollen und die Freiheit zu erlangen, seinen Arbeitsalltag selber gestalten zu dürfen. Alle befragten Digitalen Nomaden geben an, heute produktiver zu arbeiten als vorher. Sie führen diese Effizienzsteigerung darauf zurück, dass sie nicht mehr an Meetings und bürokratischen Abläufen teilnehmen müssen. Interessanterweise haben sie dadurch aber nicht automatisch das Gefühl über mehr Freizeit zu verfügen. Sie hätten jetzt einfach die Möglichkeit, frei zu entscheiden, wann sie arbeiten und wann sie ihre freie Zeit beziehen möchten.

Grenze zwischen Arbeit und Leben löst sich auf

Was den Punkt ‚mehr Leben‘ betrifft, so löst sich die Grenze zwischen Arbeit und Leben bei allen befragten Digitalen Nomaden auf. Es wird in der Regel gar nicht versucht die beiden Bereiche klar zu trennen und bewusst eine Work-Life Balance anzustreben. Bedingt durch die freie Wahl der Beschäftigung wird auch der Spassfaktor an der Arbeit höher bewertet, dadurch gibt es Platz für ‚sinnstiftende‘ Tätigkeiten. Alle interviewten Digitalen Nomaden erwirtschaften ihr Einkommen über ein Portfolio von diversen Aktivitäten im Onlinebereich.

Erzeugen von passivem Einkommen & Bloggen

Das Erzeugen von passivem Einkommen, also Einkommen aus Werbung und Empfehlungen (Affiliate) ist dabei bis auf einige Ausnahmen ein wichtiger Anteil am Gesamteinkommen. Alle Digitalen Nomaden setzen auf kostenlose Angebote für die Kommunikation und den Dateiaustausch (Gmail, Skype, Google Hangout, Dropbox). Wenn es um das Erstellen eines Blogs geht, setzen alle Interviewten ausnahmslos auf WordPress. Tools, welche speziell helfen, die Ortsunabhängigkeit zu unterstützen sind Pixelletter (Versand von physischen Briefen), Dropscan (Empfang von physischen Briefen in digitaler Form) oder Teambox (Projektmanagementsoftware).

Schwierigkeiten: Fokus und Lösen von der Arbeit sowie Führen von Langzeitbeziehungen

Die Schwierigkeit, sich beim Reisen auf die Arbeit zu fokussieren, das Lösen von der Arbeit sowie das Führen von Langzeitbeziehungen werden als grösste Probleme mit der mobilen Arbeitsform genannt. Weitere negative Erfahrungen sind fehlende Langzeitpläne und die Einkommensunsicherheit. Alle sind sich einig, dass die Präsenzpflicht am Arbeitsplatz nicht mehr zeitgemäss ist. Mit Hilfe von neuen, digitalisierten Prozessen liesse es sich einrichten, dass auch festangestellte Arbeitnehmer vermehrt von unterwegs arbeiten und dadurch von den Vorzügen des Digitalen (Gelegenheits-)Nomadentums profitieren könnten.